22 November 2017    
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   HomeFormaldehyd

Allgemeines

 

Formaldehyd ist ein farbloses, stechend riechendes Gas, das sich bei vielen Menschen ab Konzentrationen von 0,1 ml/m3 (entspricht 0,1 ppm oder 0,12 mg/m3 oder 120 µg/m3 ) in der Luft bei längerer Einwirkdauer als Reizung der Augen und oberen Atemwege durch Atembeschwerden und auch unspezifische Symptome bemerkbar macht. Bei Kurzzeiteinwirkung liegen die Reizschwellenwerte entsprechend höher, ebenso kann, wie bei vielen anderen Umweltchemikalien auch, die Ansprache einzelner Personen sehr unterschiedlich sein.

 

Formaldehyd besitzt ein allergenes Potential und steht im begründeten Verdacht, carcinogen (krebserzeugend) zu wirken, wobei dies sehr kontrovers diskutiert wird und bisher schlüssige Beweise fehlen.

Eingestuft wird Formaldehyd in die Gruppe 4 der Stoffe mit krebserzeugender Wirkung. Es wird somit eingestuft als ein Stoff, der keinen oder nur einen sehr geringen genotoxischen Effekt hat. Es wird davon ausgegangen, dass bei Einhaltung des MAK-Wertes kein nennenswerter Beitrag zum Krebsrisiko für den Menschen zu erwarten ist.

 

In Bezug auf Schwangerschaften braucht eine Fruchtschädigung bei der Einhaltung des MAK-Wertes nicht befürchtet zu werden, auch die Keimzellenmutagenität wird unterhalb dieser Konzentration als vernachlässigbar gering eingestuft.
Nach dem Prinzip des vorbeugenden Gesundheitsschutzes ist eine minimale Belastung anzustreben.

To top

Anwendung und Herkunft

 
Im Wohnbereich sind hauptsächlich Verbund-Holzwerkstoffe (Spanplatten, Holzfaserplatten, Sperrholz, Tischlerplatten), UF-Isolierschäume, großflächige Verleimungen, Dämmmaterial (Mineralfaserplatten), Parkettversiegelungen und säurehärtende Lacke als mögliche Formaldehyd-Quellen anzusehen. Hiervon wiederum sind Spanplatten erfahrungsgemäß die kritischsten Werkstoffe.

 

Besonders Spanplatten mit Harnstoff-Formaldehyd-Harz als Bindemittel können auch noch nach Jahrzehnten relevante Mengen abgeben. Die Einteilung der Materialien in die Emissionsklassen E 1 bis E 3 bietet auch im Fall der Klassifizierung als E 1 für Innenräume keinen Schutz im Sinne von Formaldehydfreiheit, da nur der sich unter Testbedingungen einstellende Wert von 0,1 ml/m³ als Kriterium unterschritten werden muss. Daher können unter ungünstigen Wohnbedingungen auch höhere Werte auftreten. Die Menge des ausgasbaren Anteils hängt von verschiedenen Faktoren, wie Herstellungsart, Beschichtung, Oberflächenbeschädigung (Löcher), sowie von den raumklimatischen Bedingungen, Temperatur und Feuchte, ab. Zudem ist eine lückenlose Kontrolle nicht möglich.

 

In der Möbelindustrie wurden bis ca. 1988 Spanplatten verarbeitet, die nicht als E1 Ware einzustufen waren. Formaldehydfreie Platten sind Isocyanat- oder Zement-gebunden. Daneben können Teppichkleber, Kleidungsstücke, Textiltapeten und weitere Baustoffe Formaldehyd, das u.a. als Konservierungs- oder Desinfektionsmittel zugesetzt wurde, ausgasen.

Auch das im Zigarettenrauch enthaltene Formaldehyd muss als weitere Quelle genannt werden.

To top

Messmöglichkeiten

 

1. Luftanalysen

 

Die Messung mit Prüfplaketten ist eine einfache und schnelle aber leider sehr ungenaue Methode. Die recht hohe Unschärfe der Messwerte muss bei der Bewertung berücksichtigt werden. Obwohl Messungen mittels Draeger-Prüfröhren an Ort und Stelle sofort ein Ergebnis liefern, ist die mögliche Aussage aufgrund der hohen Streubreite des Messwertes nur bedingt verwendbar.

 

Bei Messungen mit Passiv-Sammlern werden Teströhrchen für einige Zeit (ca. 2 Tage) an der zu beprobenden Stelle deponiert. Nach Rücksendung der Röhrchen erfolgt eine Laboranalyse. Auch dieser  Test ist für eine sichere Beurteilung aufgrund der fehlenden Genauigkeit nicht verwendbar. Eine gerichtliche Anerkennung beider beschriebener Verfahren ist nicht gegeben, da der Betroffene die Kontrolle über die Probennahme hat.

 

Durch Aktivprobenahme auf spezielle Probenahmeröhrchen kann ein für die Beurteilung hinreichend genauer Messwert erhalten werden. Hierzu werden bis zu 40 Liter Raumluft über entsprechend präparierte Röhrchen gesaugt, in diesen reagiert das Formaldehyd und kann danach im Labor quantitativ bestimmt werden.

 

Die aufwändigste, genaueste und gerichtsfeste Methode ist die Probenahme durch eine sachkundige Person unter standardisierten oder der Problematik angepassten Bedingungen (Lüftungssituation, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Auswahl der Messorte. usw.) mit nachfolgender Laboranalyse (Aktivsammlung, VDI 3484 oder EPA TO 11). Der Zeitaufwand für Probenahme und die Fahrtkosten sind mitentscheidend für die Kosten dieser (gerichtlich anerkennbaren) Messung.

 

2. Materialanalysen

 

Hierbei wird ein Muster des Verdachtsobjekt im Labor analysiert und der Gesamtgehalt oder der unter definierten Testbedingungen freisetzbare Anteil an Formaldehyd festgestellt. Diese Untersuchungen dienen zur Ermittlung der Formaldehydquelle(n). Eine exakte Aussage über die sich ergebende Raumluftkonzentrationen an Formaldehyd ist nicht möglich. Ein Vergleich mit Erfahrungswerten aus der Praxis oder Literatur kann die zu erwartende Tendenz aufzeigen. Im Wesentlichen werden zwei Methoden eingesetzt um den ausgasbaren Anteil an Formaldehyd zu bestimmen.

 

1. Messung mit dem Prüfkammerverfahren (Referenzverfahren):

Bei einer Raumbeladung von 1 m² Holzwerkstoff je Kubikmeter Raumluft wird die sich einstellende Gleichgewichts-Raumluftkonzentration an Formaldehyd unter normierten Bedingungen in einem mindestens 12 m² großen Raum ermittelt.

 

2. Der WKI-24-Stunden Flaschentest:

In Anlehnung an die Prüfkammermethode entwickeltes Verfahren, bei dem ein ca. 15 g schwerer Prüfling für 24 Stunden in einer wasserdampfgesättigten Phase bei 40 °C über destilliertem Wasser aufbewahrt wird. Das ausgasende Formaldehyd löst sich im Wasser, in dem es dann bestimmt und auf den Feststoffgehalt bezogen wird.

Beurteilung von Messwerten

 

Die folgenden Werte stellen eine Beurteilung durch verschiedene Fachinstitutionen aufgrund derzeitiger Erkenntnisse dar.

Messwert in ppm

Beurteilung

bis 0,02

Nichtbelastung bzw. tolerierbare Grundbelastung

0,02 - 0,05

Leicht erhöhte Belastung, die für sensibilisierte Personen relevant sein kann

0,05

Angestrebter Richtwert für Innenraumluft.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft diesen Wert als Konzentration ein, bei der keine Schädigungen von Menschen zu erwarten sind.

0,05 - 0,10

Erhöhte Belastung, gesundheitliche Beeinträchtigungen für sensibilisierte Personen sind wahrscheinlich, Dauereinwirkung auf Personenkreise wie Kinder, Kranke, ältere Personen u.s.w. sollten vermieden werden.

Sanierungsmaßnahmen sollten nach Abwägung der Sachlage, bei entsprechenden Beschwerden, ergriffen werden.

0,10

Richtwert des Bundesgesundheitsamtes für Innenraumuft, der nicht überschritten werden sollte.

(gesetzlich unverbindliche Empfehlung)

ab 0,10

Deutlich erhöhte Belastung, Abhilfemaßnahmen sind anzuraten, besonders für Räume mit längerer Aufenthaltszeit und bei kritischen Personenkreisen (z.B. Schlafzimmer oder Kinderzimmer), aber auch generell im Sinne eines vorbeugenden Gesundheitsschutzes.

Sanierungsmaßnahmen sind anzuraten.

0,3

Maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK-Wert), gesetzlich verbindlich bei 8 Stunden Arbeitszeit einer erwachsenen Person.

 

Anmerkungen zur Beurteilung:

Hohe Temperaturen- und Luftfeuchtigkeit begünstigen die Ausgasung von Formaldehyd, erhöhter Luftwechsel reduziert die Belastung. Eine Messung bei geringer Lüftung wirkt sich messwerterhöhend aus. Messwerte in direkter Nähe von Verdachtsobjekten sind in der Regel nicht atemluftidentisch, sondern dienen der Herkunftsermittlung.

 

Umrechnungshilfe:

0,1 ppm  ≡ 0,1 ml/m3 ≡ 0,12 mg/m3 ≡ 120 µg/m3

 

 

To top

Konsequenzen bei Formaldehydbelastungen

 

Werte über 120 µg/m³ geben grundsätzlich Anlass für Maßnahmen. Bei entsprechenden Begleitumständen (kritischer Personenkreis wie Kinder und Kranke, Allergiker, sensible Personen u.a.), können diese auch bei niedrigeren Werten erforderlich sein.
Grundsätzlich reduziert Lüften die Belastung wesentlich, da Außenluft formaldehydfrei ist. Im Winter ist Stoßlüftung (kurze Zeit alle Fenster weit öffnen), im Sinne der Heizkostenersparnis günstiger als kontinuierliches Lüften, das im Allgemeinen als kritisch in Bezug auf das Raumklima zu betrachten ist.


Ob und in welchem Umfang saniert werden kann ist von der Art der formaldehydabgebenden Stoffe und der emittierenden Flächengröße abhängig. Kalthärtende Systeme (UF-Schäume, SH-Lacke von Parkettversiegelungen etc.) vermindern ihre Formaldehydabgabe deutlich schneller als die Stoffe, die unter dem Einfluss von Wärme ausgehärtet werden, Furnierverleimungen, Sperrholz oder Spanplatten.

Für die Schadstoffverminderung kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht:


Abkleben von Löchern und freien Kanten von Pressspanplatten ist eine sinnvolle und kostengünstige Maßnahme zur Reduzierung der Belastung. Bei großflächige Emittenten, wie Möbelrückwände, sind solche Maßnahmen nur schwierig fachlich korrekt ausführbar, hier kann ein Ersatz des entsprechenden Möbelstückes günstiger sein.


Sind Bauplatten, z.B. auf dem Dachboden, für die Formaldehydbelastung verantwortlich sein, empfiehlt sich ein Ausbau und Ersatz durch emissionsärmeres Material.


Im Allgemeinen gilt:

Vollständige Sicherheit bietet nur das Entfernen der Quellen und der Ersatz mit unkritischen Produkten. Sollte ein Entfernen der formaldehydausgasenden Komponenten nicht möglich sein besteht, die Möglichkeit durch Begasen der Räume mit Ammoniak das Formaldehyd zu binden. Das sich bildenden Kondensationsprodukt (Hexamethylentetramin) ist bei Raumtemperatur nicht flüchtig und toxikologisch unbedenklich. Da diese Methode sehr aufwendig ist, und nur von entsprechenden Fachleuten durchgeführt werden kann, sollten zu einer Verminderung der Raumluftbelastung mit Formaldehyd zuerst die anderen aufgeführten Maßnahmen durchgeführt werden.


Die Verwendung von massiven Hölzern führt immer zu einer Minimierung der Formaldehydbelastung. Die immer wieder vertretene Meinung, dass massives Holz, vorallem im frischen Zustand, große Mengen an Formaldehyd abgibt, konnte weder bei Raumluftmessungen noch bei Messung nach der WKI-Methode bestätigt werden.

To top

Das Institut Alpha, ein guter Partner für Sie

 

Durch unsere über 30-jährige Erfahrung auf dem speziellen Gebiet können wir bei entsprechenden Problemen oder Fragestellungen schnell und kompetent reagieren.
Beratung, Gebäudebegehung, Probennahme, Labor-Analytik und Gutachtertätigkeit aus einer Hand sind Ihr Vorteil.
Sollten Sie Probleme mit bereits vorliegenden Gutachten, Messungen oder Anfragen haben, stehen wir auch beratend zur Seite.
Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne unser Konzept in einem persönlichen Gespräch vor.

 

Als Ansprechpartner in unserem Hause stehen zur Verfügung

 

Die Diplom-Biologin Barbara Ohmle
                            Sachverständige für Raumluftschadstoffe

und


der Diplom-Chemiker Dr. rer. nat. Dieter Heilemann, VDI
                             Sachverständiger für Raumluftschadstoffe

To top

Copyright © 2005